Erlebnisberichte Alex Paur, Kunde von @new-zealand

Abel Tasman Track

Der Abel Tasman Nationalpark benannt nach dem Hollaendischen Seefahrer Abel Tasman, der 1642 als erster Europaer Neuseeland sichtete jedoch nicht an Land ging, liegt im Norden der Suedinsel und direkt an der Golden Bay, wo Peter Jackson einen Teil seines Filmes "Herr der Ringe" drehte. Der Nationalpark ist sowohl bekannt fuer seine reiche Pflanzen- und Tierwelt, als auch fuer seine reizvollen Straende. Ich entschloss mich, mit dem unpopulaereren und anstrengenderen Inland Track zu beginnen, um dann auf dem Coastal Track zurueck zum Ausgangspunkt zu wandern. Ausgeruestet mit Gaskocher, Sonnencreme, Mueckenspray, Schlafsack und Food fuer sechs Tage machte ich mich am 28. Januar 05 von Marahau aus auf die Socken.

Start in Marahau. Coastal Track mit Sicht aus offene Meer. Possum gesichtet auf dem Coastal Track.

 

Der erste Tag war verdammt anstrengend, vorallem der schwere Rucksack und der unwegsame und steile Pfad brachten mich schnell zum schwitzen. Obwohl es seit Tagen nicht mehr geregnet hatte war der Weg stellenweise sehr sumpfig. Als ich dann bei einer Bachueberquerung auf Holzbloecken und Steinen balancieren musste, verlor ich prompt das Gleichgewicht und hatte Glueck, dass ich mich beim Sturtz nicht ernsthaft verletzte. Nach gut 7 Stunden erreichte ich die Moa-Hut, mein erster Uebernachtungsplatz. Die winzige Blechhuette bestand aus drei Liegegelegenheiten und einer Feuernische. Wasser konnte ich von Fluss trinken, wobei es zu Sicherheit abgekocht werden sollte, da der Parasit "Giardia" in einigen Fluessen und Seen gefunden wurde. Um das Gewicht meines Rucksackes schnellstmoeglich zu verringern, verspeiste ich an diesem Abend die mitgeschleppten Fruechte und das Gemuese, die leichten Fertignudeln sparte ich auf. Quasi mit dem Sonnenuntergang kriechte ich in meinen Schlafsack.
Da ich aber doch ueber 1'000 Hoehenmeter gemacht hatte, kuehlte es in der Nacht stark ab. Ich hatte die Wahl alle paar Stunden aufstehen um das Feuer zu pflegen oder zu erfrieren. Ich entschloss mich fuer die erste Variante.


Moa Hut. Moa Hut von innen.


Am zweiten Tag fuehrte die Route den Bergflanken der Takaka Hill entlang zur Awapoto-Hut. Ich kaempfte mich durch dichten Wald und meine Fitness wurde wiederum arg auf die Probe gestellt. Die Marschzeit war aber kuerzer als am Vortag und so gelangte ich bereits am fruehen Nachmittag zur Unterkunft. Diese Huette war groesser und freundlicher als die erste und hatte einen Regenwassertank, welches das Wasserzapfen erleichterte. Schnell machte ich mich ans Holzspalten, entfachte ein grosses Feuer und schlief diese Nacht ausgezeichnet.
Am dritten Tag brach ich sehr frueh auf, da nochmals einige Kilometer auf mich warteten. Der Weg schlaengelte sich allerdings nun bergabwaerts Richtung Kueste zur Whariwharangi-Hut, welche den Inland Track mit dem Coastal Track verbindet. Die zweistoeckige Huette mit Kaltwasserdusche war schon richtig luxus fuer mich! Zudem traf ich nach ueber 48 Stunden Einsamkeit wieder ein menschliches Wesen und teilte die Huette mit Tom aus Neuseeland, Brajoern aus Schweden, Orit aus Israel und Julia aus Deutschland. Als Abel Tasman 1642 hier ankerte, verlor er bei einem Gefecht mit den Maori vier seiner Maenner und verliess die Kueste kurz darauf wieder. Ich verweilte aber gerne hier, obwohl es an diesem Ort spuken soll, wie ich in einer Zeitschrift gelesen hatte.

 

Buchtüberquerung bei Ebbe. Gemütliches Beisammensein in der Whariwharangi Hut.


Am vierten Morgen traf ich als erstes den Parkwaechter an (und leider nicht das Gespenst...). Mit Hammer ausgeruestet erklaerte er mir, dass ein Possum in der Falle hinter der Huette sei und er diesem nun den Schaedel einschlagen muesse. Es stand ihm ins Gesicht geschrieben, dass ihm das alles andere als einfach fiel, aber die aus Australien eingeschleppten Possums sind eine grosse Plage und fuer die einheimische Flora und Fauna eine ernsthafte Gefahr. Ich nahm nun den Rueckweg auf dem Coastal Track in Angriff und schloss mich dafuer mit Orit zusammen. Sie hatte den Hinweg per Kayak und Wassertaxi zurueckgelegt. Da einige Buchten nur bei Ebbe durchquert werden koennen, mussten wir die Gezeitentabelle gut studieren. Ganz trocken blieben wir trotzdem nicht (siehe Foto). Zwischendurch mussten wir auch immer wieder mal einen Kuestenhuegel ueberwinden. Kurz vor dem Eindunkeln erreichten wir die Awaroa-Hut, die bis aufs letzte Bett ausgebucht war, und genossen ein wunderschoenes Abendrot.

 

Bucht bei Whariwharangi Hut. Abendrot bei der Awaroa Hut.


Auch am fuenften Tag war kaum eine Wolke am Himmel auszumachen. Auf den 21 Kilometern zur Anchorage-Hut legte ich einige Stopps ein, um im herrlich warmen Meerwasser einen Schwum zu geniessen. Prompt war dann die letzte Bucht bereits ueberflutet, was bedeutete, dass ich rundherum gehen musste, was wiederum eine gute Stunde zusatzlicher Marsch bedeutete. Die Huette liegt direkt an der wunderschonen Bucht mit weissem Sandstrand. Dort angekommen, freundete ich mich mit Jim aus Kanada an. Er hatte seine selbstgebaute Gitarre dabei und liess damit den Tag ausklingen. In der Nacht fielen dann die Sandfliegen doch noch ueber mich her, nachdem ich mich zuvor erfolgreich gegen sie gewehrt hatte. Soll nochmals jemand behaupten, es gaebe keine gefaehrlichen Tiere in Neuseeland!

 

Alex am "Holzhacken". Coastal Track Abel Tasman. Goldgelbener Sandstrand am Abel Tasman.

Der sechste und letzte Tag war noch ein easy dreistunden Walk zurueck nach Marauha, wo ich mein Auto geparkt hatte. Es war eine fantastische Rundwanderung (knapp 100 km), mit vielen unvergesslichen Eindruecken. Beim Inland Track hat mir die totale Abgeschiedenheit und Ruhe gefallen, zudem war er eine gute Herausforderung. Der Costal Track ist stellenweise sehr stark frequentiert, dafuer bietet er aber unglaublich schoene Szenerien, idylllischen Buchten und goldfarbene Straende. Ich empfehle jedem, der Neuseeland besucht, ein paar Tage in diesem einzigartigen Nationalpark zu verbringen.